Stadtkirche


Evangelische Kirche
Am Marktplatz
64832 Babenhausen
Telefon: 06073 62924
Telefax: 06073 6711
E-Mail: buero(@)babenhausen-evangelisch.de 
Web: http://babenhausen-evangelisch.de 
Beschreibung:
An dem Viereck des Babenhäuser Rathausplatzes ist die Stadtkirche mit ihrer dreigliedrigen Fassade heute wieder in Gänze zu sehen, da das Bodenplateau auf das ursprüngliche Niveau*abgesenkt und die Luthereiche – notgedrungen wegen eines zerstörerischen Pilzes – gefällt wurde. So wie heute erscheint die Kirche auch auf alten Stichen und Gemälden. Über die Jahrhunderte hinweg mahnt der Narr am Nordeck der Vorderseite die Gläubigen, über sich selbst nachzudenken und sich Rechenschaft abzulegen mit dem eingemeißelten Satz: „Wer bin ich?” auf einem Spruchband (Diese Auslegung ist allerdings Ansichtssache und nicht mehr genau zu verifizieren, da das Relief stark abgewittert ist).
Das Gegenstück zu dieser Darstellung an der Südseite ist bis auf die Umrisse zerstört, nur die Jahreszahl 1472 darüber ist noch zu lesen.Das genaue Alter der Kirche ist nicht leicht zu bestimmen, da viele Generationen daran
gebaut haben. Eine erste Kirche in Babenhausen wird für das Jahr 1262 urkundlich erwähnt; in der Kirche selbst befindet sich eine Art „steinerner Bauurkunde” an der nördlichen Chorinnenwand mit der Zahl MCCCLXXXÜI (1383); in diesem Jahr begann ein Friedrich von Langen den Chorbau, wie hier in Stein gemeißelt zu erkennen ist.Durch das Grafenehepaar Philipp d. Ä. von Hanau und Anna von Lichtenberg erfolgte 1472 der Bau des heutigen Langhauses. Sie sind auch in der Kirche bestattet worden. Ihr Wappen befindet sich auf einigen Gewölbeschlusssteinen. Ihre, sowie deren Kinder Johannes und Diethers, Epitaphe schmücken die rechte Wand des Chores. Im Boden des Chores liegt der Eingang zur Gruft dieser Grafen und auch die eisernen Grabplatten dort sind bemerkenswert.
Sie wurden von dem Künstler Hans Merkel geschaffen und in einer Nürnberger Gießerei gegossen.
Die Gruft wurde in der Vergangenheit dreimal geöffnet: 1843,1939 und 1995.Eine steinerne Treppe führt mit mehreren Stufen zu einem mannshohen, massiv gearbeiteten Gewölbe. Man sah Skelettreste und einen Zinnsarg, der den Blick auf ein verblasstes Stück gelben Kleiderstoffs mit kostbarer Bordüre und auf Sohlen von Schnabelschuhen frei gab.
Außer den beiden ersten Grafen sind allerdings noch zwei weitere gräfliche Ehepaare dort
begraben.

Der aus Lindenholz geschnitzte Altar ist ein wahres Schmuckstück. Er lag Jahrzehnte lang vergessen in einer Ecke des Turms – die Reformation mit ihren Bilderstürmern lässt grüßen! – und wurde im 19. Jahrhundert „wieder entdeckt”. Die 1518 verstorbene Gräfin Sibylle, Markgräfin von Baden-Sponheim, hatte ihn drei Jahre vor ihrem Tod, also 1515, der Kirche von Babenhausen gestiftet. Die Legende will wissen, dass dies zur Geburt ihres Stammhalters, Philipp IV., geschah.
Der Schöpfer des spätgotischen Werkes ist unbekannt; manche Experten ordnen ihn der Schule von Matthias Grünewald zu und glauben, er habe sich selbst als den „Fallsüchtigen” zu Füßen des Heiligen Valentins dargestellt (Mittelstück, dritte Figur links), da diese Figur so meisterlich gelungen erscheint. Die kreisrunden Löcher in den Büsten des unteren Altars waren übrigens Behältnisse für Reliquien.

Die Malereien an den Kirchenwänden sowie die Balkendecke wurden in den Farben von 1620 aufwändig restauriert. Mit modernsten Mitteln wurden die alten Farben nachgeschaffen,
so dass die Kirche im Aussehen des 17. Jahrhunderts neu erstrahlte. Der Babenhäuser Stukkateur und Maler Eberhard Fischer schuf damals die großflächigen Bild-Medaillons an den oberen Seitenwänden, die originalgetreu wieder hergestellt wurden und Szenen aus der biblischen Geschichte zeigen.
Nachkommen dieses Künstlers, der auch in Seligenstadt und Aschaffenburg arbeitete, leben noch heute in Babenhausen. Im April 2006 wurden die Restaurationsarbeiten an der Kirche beendet.

Das Gemeindebüro (Tel. 06073 62924) ist erreichbar:

Montag, 10:00 Uhr – 12:00 Uhr
Donnerstag, 16:30 Uhr – 18:30 Uhr