Schloss Babenhausen


Schloss Babenhausen
Schlossweg 1
64832 Babenhausen
Beschreibung:
Das eigentliche Juwel unserer Stadt liegt heute sehr versteckt hinter Baumbepflanzung und neuer Bebauung – gut ist es, dass noch ein Gemälde von August Wilhelm Tischbein von 1780 existiert – eine Kopie hangt im Territorialmuseum in der Amtsgasse , auf dem man einen weiten Ausblick über die großen Wassergräben bis auf den Prachtbau des Schlosses hat, so wie es sich in vergangenen Jahrhunderten darstellte.
Heute existieren keine Wassergräben – es waren drei – um das Schlöss mehr, denn sie wurden im 19. Jahrhundert zugeschüttet, um den „Roten Dragonern” platz für ihre Pferdeställe und Reitübungen zu geben.

Das Schloss, als Wasserburg angelegt, ist in seinem Kern uralt, wahrscheinlich das älteste noch existierende Gebäude Babenhausens, und obwohl es im Laufe der Jahrhunderte vielfach ergänzt, modifiziert und erweitert wurde, hat es doch seinen mittelalterlichen Charakter bewahrt, jedenfalls im Bereich der mehrgeschossigen „großen Halle”. Sie ist – laut dendrochronologischer Untersuchung der Deckenbalken – im Jahre 1187 oder 1188 erbaut, in einer Zeit also, als der Große Kaiser Friedrich I. Barbarossa in unseren Breiten weilte. Er residierte in Seligenstadt, wo eine große Verlobung eines Verwandten mit einer kastilischen Prinzessin stattfand. Diente diese Halle vielleicht seinem zahlreichen Gefolge als Unterkunft und ihm selbst als Jagdschloss im Wildbann Dreieich? War er selbst einmal in Babenhausen?

Wir wissen es nicht, da die schriftlichen Quellen hier schweigen. Die Halle jedoch ist prächtig und großzügig gebaut, im italienischen Stil, so dass sie einem Kaiser wohl angestanden
hätte. Erstmals urkundlich erwähnt ist das Schloss im Jahre 1236 in einer Eheberedung
zwischen Cuno III. von Münzenberg mit Adelheid.

Das nächste herausragende geschichtliche Ereignis für das Schloss war die Verehelichung von Philipp dem Älteren, Graf von Hanau, mit der jungen Anna von Lichtenberg aus dem Elsass im Jahre 1458, die die Dynastie der Grafen von Hanau-Lichtenberg begründete und die Grafschaft um bedeutende Landstriche im Unterelsass erweiterte. Auf dieser “Liaison” beruht heutzutage die Verschwisterung Babenhausens mit der Stadt Buchsweiler (Bouxwiller) im Elsass, das ebenfalls Residenzstadt der Grafen von Hanau-Lichtenberg war. Im Zuge dieser Heirat wurde die „große Halle“ geteilt und es
entstand der weiße „Sommersaal”, kleiner und gemütlicher, mit höher gelegtem Fußboden, an dessen Wänden man in jüngerer Zeit längst vergessene, spätmittelalterliche Malereien mit Jagd- und Pflanzenmotiven freilegte. Hier wurde – mit einfachen Mitteln – ein Saal für gesellschaftlich-fröhliche Zusammenkünfte geschaffen und der Natur und der Jagd gewidmet. Der Ostflügel datiert von 1460, der Südflügel von 1578 und der Westflügel ist spätromantisch, Das Wasser holten sich die Grafen mittels einer Wasserleitung aus Schlierbach, die im Brunnen mit der Hirschgruppe im Schlosshof endete.

Das -Schloss lag lange in Händen der Grafendynastie von Hanau-Lichtenberg, die 1696 gefürstet wurde, aber kurz danach ausstarb (1736: “Lebt denn der alte Hanauer noch?” hieß das Spottlied, das vor nicht allzu langer Zeit mit wenig verändertem Text eine Renaissance erlebte).
Das Schloss unterlag in den folgenden Jahrhunderten einem wechselvollen Schicksal, als es unter anderem Garnison, Gefängnis, geheimes Forschungslabor im Dritten Reich, Altersheim und letzten Endes in Privatbesitz war. Aktuell wird es zu einem Luxushotel umgebaut, dessen Eröffnung in den kommenden Jahren erwartet wird.