Rathaus

Es liegt am Marktplatz, einem fast quadratischen Platz, der schon seit dem Spätmittelalter staatliche, kirchliche und gastgewerbliche Präsenz in sich vereinte. Auch der Gasthof „Schwartzer Löwe” ihm gegenüber blickt auf eine lange Vergangenheit zurück, wie schon die altertümliche Rechtschreibung zeigt.

Das Rathaus wurde erstmals 1601 urkundlich erwähnt, aber ein Amtsgebäude zur Führung von Stadt und Amt Babenhausen ist viel älter, denn die älteste überlieferte Ordnung der Stadt Babenhausen stammt aus den Jahren 1472 und 1473 (Hans Dörr), also aus der Zeit des ersten Grafen von Hanau-Lichtenberg, Philipp I. Dieser Zeitpunkt deckt sich mit der eingemeißelten Jahreszahl an der Südseite der Kirche- 1472-, die das Rathaus flankiert.

Neben der festgelegten Gewichtsordnung für Metzger, Bäcker und Krämer, die ihre Gewichte und Maßgefäße mit einem „B” kennzeichnen durften, nachdem sie überprüft und geeicht waren, gab es unter anderem Kontrollen der Wein-, Öl – und Honigmaße sowie der Waagen, die von amtlich bezahlten Wiegemeistern genehmigt werden mussten. Der Weinmeister der Stadt zog die Steuern auf den Weinverkauf der Gastwirte ein; mit den so erlangten Geldbeträgen finanzierte die Stadt ihre Bauvorhaben („Brücken, Pforten, Graben, Wegen, Stegen und Schranzen”- nach Hans Dörr).
Das Rathaus selbst war damals nur an freien Tagen geöffnet. So regelte es die alte
Stadtordnung: Damit niemand seine Arbeit versäume, solle jeder, der ein Amt der Stadt innehabe, diesem niemals an einem Werktage, sondern nur an Sonn- und Feiertagen nachgehen (außer in Notfällen). Danach allerdings konnten die Babenhäuser Amtsträger in eine hiesige Wirtschaft einkehren und durften, als Belohnung für ihre feiertäglichen Bemühungen, „ein Maß Wein und nicht darüber” auf Kosten der Stadt trinken.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war das Rathaus so baufällig geworden, dass es kaum noch
benutzbar erschien. Da die Stadt aber kein Geld für einen Neubau besaß, wurden vielfache Pläne zur Renovierung bzw. Verlegung der Verwaltung in umliegende Gebäude, z. B. das Gasthaus „Zum Schwanen“, das Hospital usw., erörtert. Endlich kam aber im Jahre 1802 doch der Beschluss für einen Neubau zustande, der natürlich teurer wurde, als zunächst veranschlagt. Trotz allem – 1804 war der Neubau dann fertig.

Obwohl das Rathaus am Ende des Zweiten Weltkrieges der Zerstörung durch Bomben und einen Brand anheimfiel, wurde es anschließend wieder aufgebaut. Die davor gepflanzte “Luthereiche” steht heute allerdings nicht mehr, da sie wegen eines aggressiven Pilzbefalls gefällt werden musste. Eine neue Pyramideneiche wurde anstatt dessen hinter dem Hexenturm angepflanzt. Sie ist bislang gut angewachsen.

Bemerkenswert ist eine seitlich am Rathaus angebrachte Gedenktafel mit dem folgenden Text:
„Das Geheimnis der Versöhnung liegt in der Erinnerung. Wir gedenken der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft: Der sechs Millionen Juden und Jüdinnen, die in deutschen Konzentrationslagern ermordet wurden, der Sinti und Roma, der getöteten homosexuellen Frauen und Männer, der umgebrachten Geisteskranken, der Menschen, die um ihrer religiösen und politischen Überzeugung willen sterben mussten, der erschossenen Geiseln, der Toten der überfallenen Völker, der ermordeten Frauen und Männer des deutschen Widerstandes und der Menschen, die eher den Tod hinnahmen als ihr Gewissen zu beugen. Errichtet von der Stadt Babenhausen am 1. September 1988.“