Pfarrhaus in der Backhausgasse

Beschreibung:

Es wird auch das „zweite Pfarrhaus“ genannt (das erste Pfarrhaus befindet sich in der Fahrstraße), wie auch die Backhausgasse im Volksmund „Backesgass” heißt. Es handelt sich um das – wie manche meinen – schönste Fachwerkhaus von Babenhausen, da es mit reichem Fachwerk im gesamten Oberbau aufwartet.

Das Haus war für Jahrhunderte das Wohnhaus adeliger Beamter der Grafschaft Hanau-Lichtenberg, der sog. „Keller” der Grafen, welche ihre Finanzeinnahmen verwalteten und gleichzeitig über Polizeigewalt verfügten. Bekannte Amtsleute stellten die Burgritter von Düdelsheim, ein solcher Amtmann war auch Herr Burckhardt von Hertingshausen und weitere hohe Beamte im Dienste der Grafen kamen in späteren Zeiten aus den Familien Prechter und Gremp von Freudenstein.

Über der Eingangstüre erscheint das (stilisierte) Wappen der Herren von Düdelsheim: Ein grüner Hügel in silbernem Feld, mit drei schwarzen Rohrkolben auf grünen Stengeln. Ein Rudolf von Düdelsheim wird schon in einer Urkunde von 1239 in Verbindung mit der Burg Babenhausen erwähnt.

Stammt diese Familie aus Düdelsheim bei Büdingen oder aus Dietesheim, einem heutigen Ortsteil von Mühlheim am Main? Die Historiker sind diesbezüglich geteilter Meinung. In der ältesten Liste der Babenhäuser Burgmannen ist jedenfalls ein Hartmann von Düdelsheim verzeichnet (der Name Hartmann spricht für Büdingen und die Wetterau als Herkunftsort der Familie). Immer wieder sind die Düdelsheimer in den nächsten Jahrhunderten in Babenhausen anzutreffen, als Burgmannen, als hohe Beamte oder sie haben den geistlichen Stand erwählt. Der letzte Düdelsheimer, Caspar, starb um das Jahr 1550. Seine Schwester Magdalena erbte einen Teil seines Besitzes, der damit an Herrn Burckhardt von Hertingshausen, ihren Ehegatten, fiel.

Es gehörte auch das Haus in der Backhausgasse dazu. Burckhardt von Hertingshausen war ein bedeutender Amtmann im Dienste des Grafen Philipp IV. von Hanau- Lichtenberg. Das sieht man auch an seinem Epitaph in der evangelischen Kirche von Babenhausen, der sich im rechten Seitenschiff befindet. Er tritt dort auf einen Löwen, und man erzählt sich, dass damit der hessische Löwe aus dem Wappen der Darmstädter Landgrafen gemeint sei, den von Hertingshausen zugunsten seines Herrn, des Grafen, gewaltig in die Schranken verwies.

Neben seinem eigenen Wappen sind auf der Grabplatte noch die Wappen der Schenken von Schweinsberg, der Herren von Adelsheim und vor allem das seiner Gattin, Magdalena von Düdelsheim, zu sehen.

Die Zahl. 1595 über der rundbogigen Kellertüre verweist auf einen Neubau des Hauses durch die Familie Prechter hin, die als Keller und Amtmänner zu Babenhausen tätig waren.

Sie waren bürgerlich und bleiben ungeadelt, jedenfalls finden sich auf den Grabsteinen der Familienmitglieder, die in der Stadtkirche ruhen, keine Adelstitel.

1641 erwarb die Familie Gremp von Freudenstein dieses Haus. Sie waren eine reiche Familie aus dem Schwäbischen, die Mitte des 16. Jahrhunderts in den erblichen Adelsstand erhoben wurde. Diese Familie stellt hohe Beamte, Offiziere, Diplomaten und Minister, die unter anderem auch in Bouxwiller tätig waren. Seit März 1610 war Wilhelm Gremp von Freudenstein Gräflicher Rat und Amtmann der Grafen von Hanau-Lichtenberg. Mit der Adelsfamilie von Gayling waren die Gremp von Freudenstein befreundet und verschwägert. Im 17. Jahrhundert heirateten die Brüder Ludwig und Wilhelm Gremp von Freudenstein jeweils eine von Gayling, nämlich Magdalene und Dorothea Susanna. Das Haus in der Backhausgasse gehörte damals den beiden Brüdern gemeinsam, und sie ließen das bis heute erhaltene schöne Obergeschoss einschließlich der Zwerchhäuser errichten.

Die nächste Generation der Gremp von Freudenstein verließ ihren Wohnsitz in Babenhausen wieder und kehrte nach Württemberg zurück.