Herrenhäuser in der Amtsgasse

Beschreibung:
Die schönen Herrenhäuser in der Amtsgasse von Babenhausen, die gegenüber der „Burg”
(Stadtarchiv) beginnt, tragen die Nummern 28, 29, 30, 31, 32 und 33. Sie gehörten
Familien des niederen Adels bzw. wurden von diesen bewohnt. Zu nennen wären hier die von Rodenstein, die Herren von Bernsdorf, von Gemmingen und von Prettlach (auch Pretlack), vor allem aber die Familie der Gaylinge von Altheim.Sie waren den Grafen von Hanau-Lichtenberg in vielfacher Weise zu Diensten, als „Keller” (=Steuereinnehmer), als Amtsleute, als Richter, als Burgmänner, Krieger usw. Sie standen im Mittelalter als Unterlehensherren für Verwaltungs- und Kriegsdienst den großen, oberen Lehensherren zur Verfügung und erhielten für ihre Dienstleistungen kleinere Liegenschaften zu Lehen.
Lehensgeber (Graf) und Lehenempfänger schlossen einen Lehensvertrag ab, der auf
Gegenseitigkeit beruhte und ein Vertrauensverhältnis darstellte. Er konnte auf begrenzte Zeit oder auf Lebenszeit angelegt sein. Manche dieser Familien aus niederem Adel wurden auf diese Weise reich und mächtig, so z.B. die Gaylinge von Altheim.

Altheim (64839 Münster-Altheim), bei Dieburg in Hessen gelegen, verzeichnet schon um 1250/60 Besitzungen der Geiling aus eppsteinischem Lehen. Schon ab 1400 durften die Gaylinge, die sich auch Geiling, Geyling oder Gailing schrieben, in Babenhausen ansässig gewesen sein. Die Häuser 30 und 32, 31und 33 in der Amtsgasse waren in ihrem Besitz oder wurden von ihnen erbaut. Ursprünglich jedoch kamen sie aus Altheim, dessen Namen sie nie ablegten: die Gaylinge von Altheim nannten sie sich über die Jahrhunderte hinweg. Sie dienten den Grafen von Hanau-Lichtenberg nicht nur in Babenhausen, sondern auch in Bouxwiller (Elsass) und Umgebung.

Man sollte einmal das „Hanauerland“ im Elsass besuchen, vor allem den Ort Niedermodern, wo die Gayling von Altheim ihr Schloss mit zahlreichen Ländereien hatten, und den gaylingschen Ort Büsweiler mit seiner Kirche als Grabstätte der Gayling von Altheim während ihrer elsässischen Zeit. Einige von ihnen sind in der Babenhäuser Stadtkirche in einer Gruft vor dem Altarraum begraben, in welchem die Grafenfamilien selbst begraben sind.

Mit dem Tod von Ludwig Friedrich Wilhelm August Gayling von Altheim, geboren am 14.10.1758 in Babenhausen, gestorben am 09.01 .1847, starb die sogenannte deutsche Linie der Gayling von Altheim im Mannesstamme in Babenhausen – Hanau aus, denn er hatte keine Kinder. Die elsässische Linie jedoch, in der französischen Revolution aus dem Elsass vertrieben, setzte sich in Baden bis in die Neuzeit fort, wo sie 1811 in Ebnet bei Freiburg das heutige Gayling – Schloss kaufte, in dem sich auch das aktuelle Gayling – Archiv befindet. Eine mildtätige Person war die – ebenfalls kinderlose – Schwester des letzten Babenhäuser Gaylings, eine Caroline Freiin Gayling von Altheim, die den Babenhäuser Ortsarmen 1.000 Gulden hinterließ, mit den folgenden Worten:
„Den hiesigen Armen 100 Gulden. Die jährlichen Zinsen sollen an meinem Sterbetage unter die Ärmsten verteilt werden. Herr Rose wird gebeten, solches zu übernehmen und erhält jedes Mal eine Carane Douceur dafür.”