Alte Apotheke

Beschreibung:

Die Apotheke in der Schlossgasse 16 ist in der Denkmaltopographie des Kreises Darmstadt-Dieburg als Kulturdenkmal eingetragen. Es handelt sich um ein sehr sehenswertes Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert, dessen Gefache nach norddeutscher Art mit sichtbaren Backsteinen ausgesetzt und in dessen Brüstungsfeldern geschnitzte Holzplatten mit Heilpflanzendarstellungen angebracht sind. So wirkt seine Fassade wie ein aufgeschlagenes Lehrbuch der Heilpflanzenkunde, das der Babenhäuser Künstler Fritz Kehr im Jahre 1935 gestaltete.

Folgende Pflanzen sind namentlich benannt:
Enzian: Findet und fand Anwendung als verdauungsförderndes Magenmittel, wirkt belebend
und appetitanregend. Außer als Schnaps kann er auch als Tee konsumiert werden.
Märzglöckchen : Keine Heilpflanze.
Arnika: Diese Heilpflanze ergibt eine scharfe Tinktur mit wundheilungsfördernden Eigenschaften, die auch bei Verstauchungen und Blutergüssen helfen kann.
Fingerhut: Die aus Rotem Fingerhut gewonnenen Heilmittel sind die bekanntesten
Herzmittel. sie kräftigen Herzmuskel und Herzschlag (Digitalis).
Tollkirsche: Sie findet Anwendung in der Augenheilkunde, weil ihre Beeren das Alkaloid
Atropin enthalten, das Pupillenerweiterung bewirkt. Sie ist ein Heilmittel, das krampflösend,
auch bei Epilepsie, Bronchitis und Krämpfen im Magen-Darm-Bereich wirkt.
Stechapfel: Er hat eine ähnliche Wirkung wie die Tollkirsche, wird eingesetzt als krampflösendes Mittel, ferner bei parkinsonscher Krankheit.
Lilie: Keine Angaben.
Herbstzeitlose: Sie ist ein Liliengewächs, das das Gift Colchicin enthält, das Ähnlichkeit mit
Arsen aufweist. Bei Gicht und Rheuma kann sie aber helfen.
Pulsatilla (Küchenschelle): Ihr Inhaltsstoff Anemonin führt zu Kreislauf- und Atemlähmungen,
hilft aber bei Zyklusstörungen der Frauen, bei Migräne und Depressionen.
Mohn: Er ist als Klatschmohn gegen Husten und Heiserkeit in Sirups und Tees wirksam; als
Schlafmohn hat er aufgrund seines Morphingehaltes schmerzstillende, betäubende Eigenschaften und führt bei längerer Anwendung zur Sucht.
Farn: Er wurde in der Heilkunde früherer Zeiten in Rheumatees verwandt (Adlerfarn), aber
auch als Mittel gegen Bandwürmer (Wurmfarn). Heute benutzt man ihn, wenn die modernen
Arzneimittel versagen.
Aronstab: Er enthält mehrere Giftstoffe, aber als Heilpflanze kann er bei Kehlkopfkatarrh
und Schleimhauterkrankungen der oberen Luftwege helfen.

Es sind noch weitere 12 Pflanzen abgebildet, allerdings ohne Namensnennung (unter anderem Bärlapp, Glockenblume, Huflattich und Taubnessel). Wie man sieht, sind-die meisten der hier gezeigten Gewächse Giftpflanzen, denen nur die sachkundige Hand des dosierenden Apothekers ihre Heilwirkung gibt. So sind auch Äskulapstab und Waage zu verstehen.

Babenhausen hat im Altstadtbereich seit knapp 300 Jahren eine Apotheke. Seit dem Jahre
1774 wohnten und arbeiteten die Babenhäuser Apotheker in dem schönen Fachwerkbau in der Schlossgasse, deren einer Georg Gravelius (1808-1883) war, der zugleich mit seiner Apothekentätigkeit den Postdienst der Stadt versah. Seine Schwiegermutter stammte aus Bouxwiller, und dies zeigt die damals wie heute bestehende Verbindung der beiden verschwisterten Städte Bouxwiller und Babenhausen.

Heute befindet sich ein Zahnarzt in der Alten Apotheke.