Ältestes Fachwerkhaus / Haus Willand

Beschreibung:
Das älteste, noch erhaltene Fachwerkhaus von Babenhausen ist das Anwesen „Am Hexenturm 22“. Es handelt sich um ein, vom Hexenturm (früher Mühlturm) nur durch einen schmalen Spalt getrenntes Haus mit der Jahreszahl 1442 über der Eingangstüre. Die Schreibweise dieser Jahreszahl ist äußerst ungewöhnlich und gibt beim ersten Anblick Rätsel auf, bis man erkennt, dass die beiden Zahlen 4 in der Mitte jeweils als halbe Acht geschrieben sind.

Das Haus ist ein spätmittelalterliches Burgmannen- oder Ackerbürgerhaus mit einer direkt angebauten Scheune jüngeren Datums daneben. Mit der westlichen Traufseite stehen die beiden Gebäude unmittelbar vor der erhaltenen Stadtmauer Babenhausens. Aufgrund der Nähe zum Hexenturm schloss die Forschung auf ein ursprüngliches Burgmannenanwesen, dessen Bewohnern der Schutz eines Stadtmauerabschnittes oblag. Als Datierung für die Erbauung des Hauses nennt die Denkmaltopographie des Landkreises Darmstadt-Dieburg die Jahreszahl „um 1480″ (entspricht nicht der Jahreszahl über der Eingangstüre). Die dendrochronologischen Forschungen allerdings (das ist der wissenschaftliche Vergleich von Jahresringen, die sich beim Baumwachstum innerhalb identischer Klimazonen bilden) ergaben eine Jahresbestimmung von 1461/62.

Die Verfüllungen der Gefache des hölzernen Hausgerüstes zeigen unterschiedliche Phasen des Baues auf: Lehmverfüllung wurde in den Bauabschnitten des 15. Jahrhunderts verwandt, handgestrichene Tonziegel in denen des 18. Jahrhunderts und in den jüngsten Bauabschnitten zeigte sich Schwemmsteinverfüllung.

Im Mittelpunkt des Hauses befand sich wohl eine Küche, was eine aus Bruchsteinen gemauerte Feuerwand heute noch bezeugt. Die Größe dieser Küche kontrastiert mit den kleineren Kammern des Obergeschosses, die vielleicht Schlafkammern waren.

Für die Sanierung des Hauses „Am Hexenturm 22“, die zu Beginn der1990er Jahre durchgeführt wurde, erhielt das Ehepaar Willand, welches das Anwesen heute bewohnt, im Dezember 1994 den Denkmalschutzpreis des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Damit wurde eine gelungene Baumaßnahme gewürdigt, die unter großem persönlichen Einsatz des Bauherren-Ehepaares, der beauftragten Architekten und unter der Mitarbeit von Studenten der FH Darmstadt vollendet wurde. Durch die Erforschung des Hauses mittels wirklichkeitsgetreuer Bauaufnahme konnten die unterschiedlichen Bauetappen gegeneinander abgegrenzt werden.

Die Erhaltenswürdigkeit der ältesten Teile des Baubestandes wurde ermittelt und mit den Erfordernissen modernen Wohnens, wie der Einbau von WC, Bad, Küche, Hausanschlüssen und Erschließung (Treppe) – dies geschah in der Scheune – in guten Einklang.