Patrizierhäuser in der Fahrstraße

Beschreibung:
Darunter versteht man die reich verzierten Fachwerkhäuser um den Marktplatz, entlang der Fahrstraße, beim Rathaus und um die Kirche. Seit dem 5. Dezember 1975 ist dieser Bereich wie auch die gesamte Fahrstraße eine Fußgängerzone.
Hier nun zu einigen der Patrizierhäuser nähere Informationen:

Fahrstraße 17: “Schwartzer Löwe“

Gegenüber dem Rathaus steht das Gasthaus und Hotel „Schwartzer Löwe“, welches
ältester Gasthof Babenhausens ist. Er ist seit 1590 nachweisbar und wurde zu dieser Zeit von
einer Wirtin namens Anna betrieben. Es handelte sich um ein Haus mit Brau – und Brennrecht und war während früherer Kriegszeiten stets Quartier des „Ortskommandanten”.

Nach einem Brand im Jahre 1789 wurde es total neu erbaut, als Winkelbau, zweistöckig mit
ausgebautem Dachgeschoss. Es unterlag seitdem ständigen Veränderungen bis 1945, je nach
Bedarf des jeweiligen Pächters oder Besitzers. Am 25. März 1945 wurde es durch Bomben
weitgehend zerstört, wobei auch das, im 18. Jahrhundert entstandene, herrliche Mansardendach in Flammen aufging. Bis auf dieses Dach wurde der Traditionsgasthof in altem Stil wieder aufgebaut. Heute kann man dort gut sitzen und essen, besonders auch Gerichte aus einheimischem Spargel zur Spargelerntezeit.

Fahrstraße 24:

Von einem Nebenhaus, das nicht mehr steht, ist bekannt, dass die Jahreszahl
1480 als Baujahr angegeben war. Das Haupthaus stammt aus dem Jahre 1544. Der Bauherr war der gräfliche Rat und Amtmann Johannes Fleischbein. Die katholische Familie Fleischbein verteidigte ihren Glauben längere Zeit gegen die aufkommende Reformation, daher auch der bis heute sichtbare Spruch am Erker: „nusquam tuta fides” („Nirgends ist der Glaube sicher“). Später trat die Familie jedoch zum evangelischen Glauben über und wurde Anfang des 17. Jahrhunderts in den Adelsstand erhoben. Ab 1627 ist überliefert, dass sich das Gasthaus „Zum güldenen Engel“ mit dem ersten Wirt Johannes Bender darin befand.

Fahrstraße 26:

Gegenüber der Kirche steht das Haus Fahrstraße 26, das seit dem frühen 17. Jahrhundert renommiertes Gasthaus war („Gasthaus zum weißen Schwanen” – 1640-1788 nachweisbar).

Während des Dreißigjährigen Krieges war es durch „ständiges Kriegvolk” besetzt, was wohl den Besitzer 1698 zum Abriss veranlasste. Auf dem Areal erbaute die Bierbrauerfamilie Ritter den Neubau: ein dreistöckiges Wohnhaus mit zweistöckigem Hinterhaus. Ab 1873 war das Haus im Besitz der jüdischen Familie Seewald; von 1891 bis 1955 sind Julius und Willi Seewald als Eigentümer verzeichnet.
Dieses Anwesen mit Nebengebäuden war der einzige jüdische Besitz, der während der gesamten Nazizeit nicht in arische Hände überging, sondern von der Volksbank, deren geschätzter Mitarbeiter Julius Seewald war, verwaltet wurde. Nach einem Angriff auf Leib und Leben des Julius Seewald durch ortsfremde Nazischläger beschloss dieser, mit seiner Familie in die USA zu flüchten, was ihm auch gelang.
Nach dem Krieg verkaufte die Volksbank das Anwesen im Namen der Familie und erstattete ihr den Kaufpreis.