Kolumne vom 17.12.20

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

meine Frau brachte mir einen Wunschzettel vom Weihnachtsbaum auf dem Marktplatz. Der Wunschbaum sollte Kinderwünsche erfüllen. In kindlicher Schrift, orthografisch bedenklich las ich den Wunsch, dass Corona bitte die Menschen in allen Ländern verschonen sollte und alle gesund bleiben. Das ist der sehnlichste Wunsch eines Babenhäuser Kindes. Ihn zu erfüllen bedarf unser aller Zutun. Die Regierung fordert uns auf, ja bittet uns geradezu dringlichst, noch intensivere Regelungen zur Eindämmung mitzugehen. Wir alle müssen – auch zu unserem eignen Schutz und dem unserer Liebsten – die Unachtsamkeit von Wenigen nun kraftvoll kompensieren, um die Lage im Griff zu behalten. Aus meiner alten Heimat erreichte mich die Information, dass ein Abiturkollege an Corona erkrankt war und kein Intensivbett dort verfügbar war – mitten in Deutschland, 300km nördlich.

Das Kreistagspräsidium hat am Montagmorgen kurzfristig beschlossen, auf alle Redebeiträge zu verzichten, um die Sitzung kurz zu halten. Die Standpunkte sind in den Ausschusssitzungen ausgetauscht. Bis auf Tischvorlagen und kurzfristig eingegangene Anträge gelingt das hoffentlich auch in der Stadtverordnetenversammlung. Auch der

Magistratsbericht wird schriftlich eingereicht werden.

Wie übergibt man in Corona-Zeiten das Bürgermeister-Amt? Unsere Schaafheimer Nachbarn haben das am Ende einer regulären Sitzung der Gemeindevertretung einfach als letzten Tagesordnungspunkt gemacht, ein sehr pragmatischer Ansatz. Wir werden im Januar einen ähnlich pragmatischen Ansatz finden müssen.

Und wie erweist man einem Amtsvorgänger in Corona-Zeiten die letzte Ehre? In stillem Gedenken? Nach Herrn Schäfer ist Herr Kurt Lambert, der zweite meiner Vorgänger, von dem ich final Abschied nehmen muss. Im Herzen großer Dank für die für Babenhausen geleistete Arbeit und tiefes Mitgefühl für die Familie.

Wir steuern auf sicherlich eines der merkwürdigsten Weihnachten zu, die eine Generation erleben kann. Ja, wir sind beschränkt in der Art, wie wir feiern können, und vielleicht verdeutlicht es uns allen die großen Freiheiten, ja, den Luxus, in dem wir all die Jahre leben durften. Weihnachten bringt Menschen zusammen, uns persönlich in kleinstem Kreis, uns als Gemeinschaft im Kampf gegen die Pandemie und zwar weit über die Grenzen der Stadt, und des Landkreises hinaus. Von Portugal bis Polen und von Irland bis Griechenland, aber auch über die Grenzen der EU hinaus sitzen wir mit allen Menschen in einem Boot, sind Weltbürger.

Im Jahr 1914 haben an Weihnachten gegnerische Soldaten die Gewehre in den Schützengräben gelassen, sind hervorgekommen, haben gemeinsam „Stille Nacht“ auf Deutsch, Englisch und Französisch gesungen. Der Begriff „Weihnachtsfrieden“ oder englisch „christmas truce“ beschreibt den Sieg der Menschlichkeit in jenen Tagen. Kein Krieg Mensch gegen Mensch muss in der Coronapandemie überwunden werden, kein Darben im nassen Graben ohne sauberes Wasser und Verpflegung, mit der Angst vor Giftgas.

Wir hier müssen nur bedacht und vernünftig sein, uns an dem freuen was wir haben und vielleicht reicht es, die Welt aus Kinderaugen zu betrachten, dann erwartet uns alle zusammen eine denkwürdige Weihnacht. Bringen wir die Infektionszahlen nach unten – gemeinsam.

Sie wissen, was zu tun ist.

Adventliche Grüße aus dem Rathaus, bleiben Sie gesund,

Ihr Achim Knoke

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